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Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 21/12/2009 - Keine Kommentare
Berlin - Die Anbieter im Markt für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) sind nach einer Studie von Berlecon Research wieder deutlich zuversichtlicher. Es bestehe ein breiter Konsens darüber, dass die Optimierung der internen und externen Zusammenarbeit ein kritischer Erfolgsfaktor ist, um Innovationspotenziale zu heben und sich im Wettbewerb zu differenzieren. „Hinzu kommt, dass viele im Konsumentenmarkt bekannten Kommunikationstechnologien - ob iPhone, Skype oder Facebook - verstärkt in die Unternehmen drängen. IKT-Leiter sehen sich damit einem Wildwuchs an genutzten Plattformen und Endgeräten gegenüber, der administriert werden muss und nicht durch simple Verbote verhindert werden kann. Denn spätestens, wenn im Zuge einer Konjunkturerholung die Fachkräfte knapp werden, müssen sich Unternehmen verstärkt um die so genannten ‚Digital Natives' bemühen", so Berlecon-Analyst Andreas Stiegler. Diese Generation sei es gewohnt, mit Video, Chat und Präsenzsystemen zu arbeiten. Auch der Wunsch nach Kommunikationsplattformen, die über Smartphones wie BlackBerry oder iPhone angesteuert werden, stehe ganz oben auf der Wunschliste.
Allerdings müssten vielen Firmen bei der Zusammenführung IT- und TK-Systemen noch ihre Hausaufgaben erledigen und in Infrastrukturen für Unified Communications und Voice over IP investieren. Trotz dieser positiven Aussichten werde nach nächste Jahr für die IKT-Anbieter kein Selbstläufer. „Die meisten Unternehmen haben gerade erst eine finanzielle Konsolidierung hinter sich. Sie sprechen zwar heute wieder mehr von Investitionen anstatt von Sparprogrammen. Aber sie werden sehr genau prüfen, welche Investitionen tatsächlich notwendig sind", sagt Stiegler. Dabei werden sie sich nicht von bunten PowerPoint-Folien und neuen Buzzwords leiten lassen, sondern nach konkreten Lösungen fragen, die ihren individuellen Anforderungen entsprechen. Deshalb gehe Berlecon Research davon aus, dass 2010 viele der häufig über bunte Folien und Presseschlagzeilen kommunizierten Themen konkretisiert werden müssten.
Experten wissen, dass die Übertragung von Sprache, Bild und Daten über das Internet Protokoll kein Kinderspiel ist. Mit reinen Modephrasen bewegt sich der Markt keinen Millimeter. Man benötigt Anbieter mit Sachverstand, fundiertem Praxiswissen und einer exzellenten Expertise in der Telekommunikation. VoIP stellt langjährig eingeübte Telefongewohnheiten in Frage. „Über den Computer zu telefonieren und mit dem Telefon im Web suchen, das muss ein Anwender erst einmal verdauen", so Dr. Jörg Fischer, Autor des Buches „VoIP-Praxisleitfaden" (Hanser Verlag).
Ähnlich sieht es Andreas Latzel von Aastra-DeTeWe in Berlin: „Wer die alte Welt der Telekommunikation nicht versteht, besitzt keine Kompetenz, um Firmen in die IP-Welt zu transformieren. Der Philosoph Odo Marquard hat die technische Herausforderung treffend formuliert: Zukunft braucht Herkunft. Deswegen scheitern VoIP-Strategien, die den dritten vor dem ersten Schritt machen, wie es in der Software-Branche zu beobachten ist", erläutert Latzel.
Bei der Integration der Sprachkommunikation in die IT-Infrastruktur müsse man einige Dinge berücksichtigen, wie etwa die Echtzeitanforderung und hohe Verfügbarkeit. Die klassische Telefonie biete Leistungsmerkmale, an die sich die Anwender in vielen Jahren gewöhnt haben und so in der IT nicht vorkommen: Vermittlungsarbeitsplätze, verkettete Anrufweiterschaltung, Chefsekretärin-Funktion und ähnliches. Ob der Anwender die neuen Funktionen der Unified Communications nutzen könne und möchte, hänge von Firmenkultur, Branche und dem Arbeitsplatz ab, so die Erfahrungen von Latzel. Stark virtualisierte Unternehmen der Beratungsbranche, die mit wenigen festen Büroarbeitsplätzen und Desk Sharing auskommen, stehen eher klassisch arbeitenden Produktions- und Verwaltungsbetriebe gegenüber, wo das Telefon zum Telefonieren benutzt werde und es wenig bis gar nichts mit der IT zu tun habe.
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