Medien/Social Web
Von Silke Landwehr veröffentlicht am 01/12/2009 - 1 Kommentar(e)
Bonn/Düsseldorf/Hamburg - Nach einem Bericht von Spiegel online grassiert bei vielen Autoren der Enzyklopädie Wikipedia der Frust über die gefürchteten Löschdebatten, die vom harten Kern der Weblexikon-Aktvisten ausgelöst werden: „Im Namen der Relevanz wird allseits gelöscht oder gesperrt, was nach Meinung ihrer eifrigsten Hüter nicht in eine Enzyklopädie gehört. Und weil bei der Wikipedia jeder mitreden darf, gibt es vor jedem Urteil eine Art Plebiszit - oft sind das lange, zerrüttende Debatten. Am Ende entscheidet ein Administrator aufgrund der schriftlich dokumentierten Diskussion, möglichst neutral", so Spiegel online.
Viel zu oft finde sich unter den Diskutierenden aber eine Mehrheit fürs Löschen, klagt beispielsweise die Medieninformatik-Professorin Debora Weber-Wulff, die schon seit 2004 dabei ist: „Manchmal habe ich darauf echt keine Lust mehr." „Für Neulinge ist das strenge Regiment der Relevanz erst recht nicht ermutigend. Sie stellen einen Eintrag ein über einen schönen Wanderweg, und wenig später ist alles weg, weil Wanderwege gemäß dem Kriterienkatalog erst ab zehn Kilometern Länge als relevant gelten. Oder sie probieren es mit drei Sätzen über eine halb vergessene Comicfigur - in der Hoffnung, dass jemand anderes damit weitermacht. Und wenn sie später nachsehen, ist alles weg. Früher waren solche Stummelartikel, genannt ‚stubs', gelitten; es konnte ja noch was kommen. Heute fallen sie leicht mal einem genervten "Admin" zum Opfer - einem der rund 300 gewählten Administratoren, die offensichtlichen Unfug eigenmächtig löschen dürfen", schreibt Spiegel online.
Das sei es nicht verwunderlich, wenn immer mehr Autoren die Lust verlieren. Der spanische Netzforscher Felipe Ortega von der Universidad Rey Juan Carlos in Madrid habe ermittelt, dass inzwischen in vielen Weltgegenden die Zahl der Autoren sinkt. „Es hören mehr auf, als neue hinzukommen. Das gilt für jede der zehn größten Sprachversionen. Bei der englischen Wikipedia wanderten demnach im ersten Quartal dieses Jahres 49.000 Mitarbeiter ab; der Pool des deutschen Pendants schrumpft seit einem Jahr jeden Monat um ein- bis zweitausend Aktive", führt Spiegel online weiter aus.
Vom Grundgedanken des Mitmach-Netzes habe sich Wikipedia schon lange entfernt, monieren Internetkenner und verweisen auf das Buch von Christian Stegbauer „Wikipedia - Das Rätsel der Kooperation". Die Analysen von Stegbauer belegen, dass von einem freien Zugang beim Web-Lexikon keine Rede mehr sein könne. Schon jetzt habe eine kleine Gruppe besonders motivierter und leistungsstarker Mitarbeiter die Führung übernommen. Sie würde nicht nur die Hauptlast der Lexikoneinträge tragen, sondern bestimme auch den Kurs des Lexikons - mit der Tendenz, sich nach unten und gegenüber Neuankömmlingen abzuschließen. Wer in die Zirkel eindringen wolle, habe mit Widerstand zu rechnen. „Von der ‚Goldgrube für freies Wissen' bleiben die Probleme mit ‚schwierigen Personen', die dem Projekt nur schaden und daher auch nicht mehr willkommen sind. Dies widerspricht der deklarierten Freiheitsideologie von Wikipedia ‚jeder kann teilnehmen", so Stegbauer.
Statt „ermündende Diskussionen" mit kritischen Geistern zu führen, entscheide wohl eine Oligarchie-Clique, was reinkommen dürfe oder nicht, bemängelt der Düsseldorfer Unternehmensberater Bernhard Steimel von Mind Business. „Mit dieser Geisteshaltung hätte ein politischer Querkopf wie Joschka Fischer im Bundestag nie Karriere machen können. Demokratische Meinungsbildungsprozesse sind nun mal anstrengend und sollten nicht von einer höchst aktiven Minderheit wegrasiert werden".
Als Rezeptur gegen die Wikipedia-Oligarchie helfe nur Transparenz. Der harte Kern der Autoren sollte daher namentlich bekannt sein. Anders sei eine öffentliche Disputation über die veröffentlichten und gelöschten Beiträge nicht möglich.
Sehr geehrte Leser, bin eigentlich durch Zufall auf diesen Artikel gestoßen.
Ich finde es deutlich ungehörig, Beiträge zu löschen, ohne zuvor mit dem Autor Rücksprache zu halten.
Administratorenrechte hin oder her,
was ein anderer geschrieben hat, wirft man nicht in den Papierkorb.
Gebietet es doch die Höflichkeit, den Urheber des Eintrages zu kontaktieren und ihn gegebenenfalls zu bitten, den Artikel abzuändern oder selbst zurückzunehmen.
Erstellt von Alois Munding, 04/12/2009 2:50pm (vor 3 Jahre)
RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare