Wirtschaft/Unternehmen/Internet
Von Silke Landwehr veröffentlicht am 21/10/2009 - Keine Kommentare
München - Der Münchner Kreis hat auf seiner Konferenz „Enterprise 2.0 - Unternehmen zwischen Hierarchie und Selbstorganisation" mit rund 150 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik den Einfluss von Web 2.0 Technologien auf die Organisation von Unternehmen diskutiert. Wurden YouTube, Facebook, XING & Co bislang in erster Linie privat genutzt, so spielen sie im Unternehmensalltag mit wachsendem Anteil junger Mitarbeiter eine immer größere Rolle. „Heute stehen sich in vielen Unternehmen zwei Gruppen von Angestellten gegenüber: die so genannten Digital Natives - geboren nach 1980 und mit den Werkzeugen des Web 2.0 aufgewachsen - und die ältere Gruppe der Digital Immigrants", sagte Professor Jörg Eberspächer, Vorstand des Münchner Kreises. Während sich die einen der Wichtigkeit der Vernetzung sehr bewusst seien und zunehmend Bindungen eher über Sachthemen und Peergroups denn über Unternehmensbezüge eingehen, orientieren sich die anderen eher an autarken Organisationsstrukturen und -prozessen.
Sabine Pfeiffer vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung sieht gerade für kleine und mittlere Unternehmen erhebliche Chancen. „Die wirklichen Chancen von Enterprise 2.0 erschließen sich aber nur auf Basis einer neuen und umfassenden IT-Strategie und einer weitreichenden Partizipation der Beschäftigten". Für Großkonzerne liege genau hierin ein nicht unerhebliches Problem. So sprach David S. Faller von der IBM Software Group über die Herausforderung der Organisation einer effizienten und interaktiven Zusammenarbeit in einem Unternehmen mit 400.000 Mitarbeitern, das in mehr als 170 Ländern operiert. Als Ziele der Einführung von Web 2.0-Werkzeugen nannte Faller die Verhinderung von Redundanzen in der täglichen Arbeit sowie die direkte und ungefilterte Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung.
Frank Roebers, Vorstandsvorsitzender der Synaxon AG, erklärte den Weg seines Unternehmens zum Enterprise 2.0: „Der Startpunkt war ein Unternehmenswiki, welches zwei Besonderheiten aufweist. Erstens: jeder sieht alles, zweitens: jeder kann alles ändern. Wir haben bislang ausschließlich gute Erfahrungen damit gemacht". Das Wiki sei inzwischen das zentrale Informations- und Arbeitsinstrument im Unternehmen geworden, so Roebers weiter. Als wichtigste Effekte des Wikis nannte er die Vergrößerung des Informationsstandes der Mitarbeiter, die fortlaufende Aktualisierung relevanter Unternehmensdokumente und die Tatsache, dass Entscheidungen dort getroffen werden, wo die Fachkompetenz sitzt. Insgesamt habe sich das Generieren von Wissen damit von der klassischen Hierarchie gelöst. Nach dem erfolgreichen Start der Wikis wurden weitere Web 2.0 Anwendungen eingeführt. So wurde das zentrale Content Management System durch ein einfacheres Open Source System ausgetauscht. Der nächste Schritt war die Einführung von internen und öffentlichen Blogs. Einen Dämpfer bekamen die Web 2.0 Experimente lediglich bei Second Life. Versuche in dieser Richtung haben sich als nicht praktikabel erwiesen. Die Einführung des Instant-Messaging-Dienstes dagegen verbucht Roebers als Erfolg.
Josephine Hofmann vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation ging auf neue Möglichkeiten der Optimierung des Wissensmanagements in Unternehmen ein: „Wichtig ist die Vernetzung von Menschen, von Wissensträgern und Wissensarbeitern, und weniger die Erklärung und Speicherung von Wissensbeständen. Es kommt darauf an, den Wissensträgern einen leichteren Zugang und einen raschen Austausch zu bieten - ihnen eine Umgebung zu schaffen, die eben auch das Potenzial für ungeplante Begegnungen gibt. Der Mitarbeiter soll in seiner sozialen Vernetzung angesprochen werden, er soll seine kontextspezifischen Erfahrungen teilen können".
Siehe auch:
Twitter und die Kluft der Manager zur Web 2.0-Welt.
Studie: Kollaborieren oder kollabieren? - Organisationen im Netzwerkstress.
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