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Recherche der Woche: Das Ende der Google-Ökonomie? Wie Social Media und die App-Economy den Suchmaschinen-Giganten bedrängen - Expertenmeinungen gefragt!

Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 02/11/2009 - 2 Kommentar(e)

 

Bonn - Anfang des Jahres schrieb ich einen Blog-Beitrag über die Vorherrschaft von Google, die doch lange anhalten sollte. Waren vor ein paar Jahrzehnten noch Hardwarehersteller wie IBM und Sun die beherrschenden Größen im Markt, wurden sie in den Neunzigern vom Softwarehersteller Microsoft überholt. Jetzt werde Google den Takt vorgeben und eine neue Ära begründen, da sind sich die Autoren von absatzwirtschaft und PC-Praxis einig: „Google beherrscht den Markt von Suchmaschinen, Geosoftware und sozialen Netzen immer stärker", sagt Professor Max Mühlhäuser von der TU Darmstadt: „Nun kommt der Angriff auf die Browser, und der Angriff auf Betriebssysteme und Standardsoftware sowie Mobiltelefone ist schon ,eingebaut'."

Zur Zeit hat sich der Wind etwas gedreht und man versteht immer mehr die Aussagen des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar: „Wenn Sie das Gefühl haben, es ging in den vergangenen Jahren schnell, dann legen Sie den Gurt an: Es wird noch schneller", so Yogeshwar bei seinem überaus interessanten Vortrag auf den Voice Days in Nürnberg. In Blogger-Kreisen wird nunmehr bezweifelt, ob Google in der Lage ist, den Trend zum Echtzeitweb mitzugehen und die Schlagkraft des Social Webs richtig zu nutzen.

So schreibt Olaf Kolbrueck in seinem Blog „off the record": Norbert Bolz irre mit seiner Annahme, dass ein Internetnutzer nur auf das stößt, war er wirklich sucht . „Ein Internetnutzer stößt in der Regel nur auf das, was er sucht." „Der Medienwissenschaftler ist offenbar nur selten in Netzwerken unterwegs. Sonst wüsste er, dass die Nachricht und die Botschaft den Nutzer künftig vor allem findet - durch die Vernetzung mit ähnlich Gesinnten". „If the news is that important, it will find me." Die Ökonomie der Aufmerksamkeit bekommt eine neue Logik, die von Jeff Jarvis als Echo-System bezeichnet wird. Oder nennen wir es Crowdsourcing im Web 2.0. Die Medienwelt profitiert davon schon im hohen Maße. 

 Google scheine zu ahnen, so der off the record-Blogger, dass die Suche allein in Zukunft nicht mehr die Kernrolle spielen wird. „It's because of this fundamental shift towards user-generated information that people will listen more to other people than to traditional sources. Learning how to rank that "is the great challenge of the age ", sagt Google-Vordenker Eric Schmidt in einem sehenswerten Video. 

 „Es ist also geradezu zwingend für Google sich dem Thema zu widmen. Wenn sich der soziale Lifestream als Königsweg zum Auffinden von Informationen etabliert, ist das Geschäftsmodell von Google auf lange Sicht gefährdet", schreibt Kolbrueck. Social Media werde wohl zum größten Konkurrenten für Google. Die Suche nach Nachrichten und Informationen könnte bald wie ein lästiges Stück Arbeit aus der Zeit Dampfmaschinen wirken, wenn diese Inhalte künftig ohne größere Mühe mit Unterstützung des eigenen Social Media-Ökosystems zum Nutzer finden.

Es sei deshalb auch falsch, wenn der Publizist Richard David Precht auf den Münchner Medientagen über systemrelevante Massenmedien (er dürfte Print, TV und Co meinen) philosophiert, die der Kitt der Gesellschaft seien, weil sie Öffentlichkeit herstellen. Genauso gut könnte man die Sonntagspredigt als sozialen Klebestoff der Kirche bezeichnen, wo doch vor allem das gemeinsame Abendmahl die Gemeinschaft herstellt. „Der Kitt der Gesellschaft entsteht eben künftig nicht durch Glotze und Papier, sondern durch die Vernetzung der Menschen untereinander", so Kolbrueck. Aber was will man auch von einem Autor erwarten, der seichte Philosophie-Bestseller wie „Wer bin ich - und wenn ja wie viele?" unters Volk bringt. 

Ähnlich umwälzende Tendenzen könnte das „Besserwisser-Handy" auslösen. Ein Begriff, den der Welt-Redakteur Thomas Heuzeroth gewält hat. Gemeint ist eigentlich nur das iPhone und die kongeniale Kombinaten mit dem App-Story von Apple.

 

 

Die amerikanische „Business Week" spricht bereits von einer App Economy. „Ein Erfolg, der die Konkurrenz in Verlegenheit gebracht hat. Inzwischen gibt es nur noch wenige Smartphone-Hersteller, die nicht auch einen Programm-Shop anbieten, darunter Samsung, der Blackberry-Hersteller Research in Motion, Microsoft, Google und neuerdings sogar Palm. Smartphone-Weltmarktführer Nokia nennt seinen Dienst Ovi, das finnische Wort für ‚Tür'. Einem Vergleich zum umfangreichen Apple-Store halten jedoch die mehr als ein Dutzend Kopien nicht stand: Meist bieten sie nur eine Auswahl von wenigen Dutzend bis zu wenigen Tausend Anwendungen an. Weil die Handybetriebssysteme unterschiedlich sind, müssen Entwickler mit ihrer Programmierarbeit immer wieder von vorn beginnen, wenn sie einen anderen Hersteller als Apple bedienen wollen. Für viele lohnt sich das nicht besonders. Sie konzentrieren sich lieber auf die Marktführer. Eine iPhone-Anwendung gehört jedoch fast immer zum guten Ton und ist somit ein Aushängeschild der Entwickler", schreibt Heuzeroth.

So, wie heute nur noch mit Schwierigkeiten ein Mobiltelefon zu finden sei, das keine Kamerafunktion hat, so wird es schon bald kaum noch Geräte geben, die nicht den heutigen Smartphones ähneln. Die App Economy werde somit zum festen Geschäftsbestandteil der Handybranche.

Zeichnet sich hier am Horizont eine Machtablösung ab? Diese Frage würde ich gerne mit Eurer Hilfe recherchieren. Also bitte Tipps und Expertenmeinungen an meine E-Mail-Adresse schicken gunnareriksohn@google.mail.com oder mich anrufen unter: 0177 - 620 44 74. 

Siehe auch:

Kampf der Tech-Titanen. 

Der Chrome-Masterplan. 

Der App-Store-Krieg im Mobilfunk: Anbieter kämpfen um den Markt für bezahlte Downloads.

 

 

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Kommentare

  • Hierzu schrieb ich per Email an Gunnar Sohn am 2.11.2009: „Ohne Zweifel werden sich langfristig mehr Suchanfragen weg von der google Startseite hinein in die Apps und sozialen Netzwerke verschieben. Content bleibt aber Content und dieser Content muss auch in Zukunft indiziert, verknüpft und auffindbar gemacht werden, um Werbeeinblendungen im Kontext der Suchanfrage einblenden zu können. google Adwords und Adsense werden auch auf mobilen Endgeräten und im Social Web eine dominierende Rolle spielen, insofern sehe ich keine Gefahr für google.“

    Und nun wird bekannt, dass google Admob kauft für 750 Mio $. Ich denke, dass beantwortet dann auch die Fragen dieses Blog-Posts. :-)

    http://www.admob.com/google

    Erstellt von Björn Behrendt, Geschäftsführer von Service-Community.net, 10/11/2009 11:07am (vor 3 Jahre)

  • Hallo,

    das Social Web liefert wenn überhaupt nur relevante Ergebnisse, wenn sie genau wie andere Inhalte des WWW sortiert und aufbereitet werden.

    Google ist in Sachen Sortierung, Aufbereitung und Darbietung von Webinhalten meiner Meinung nach nicht mehr zu schlagen, da kein anderes Unternehmen über eine derart gute Infrastruktur verfügt.

    Beim stetig wachsenden WWW darf man eines nicht vergessen, es bedarf enormer Rechenleistung um dieses zu verwalten. Diese hat momentan nur Google...

    Grüße

    Gretus

    Erstellt von SEO-united.de, 02/11/2009 7:28pm (vor 3 Jahre)

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