Social Web/Twitter/Facebook

Psychologin: Twitter soll angeblich dumm und Facebook klug machen - Meinung gefragt!

Von Claudia Zettel veröffentlicht am 08/09/2009 - 5 Kommentar(e)

 

Stirling/Berlin, pte - Facebook soll angeblich seine Nutzer klüger, der Microbloggingdienst Twitter hingegen dümmer machen. Diese gewagte These vertritt die Psychologin Tracy Alloway von der University of Stirling in Schottland. Laut einem Bericht des Telegraph hat sich Alloway eingehend mit dem Arbeitsgedächtnis beschäftigt, das für die vorübergehende Speicherung und dem Einsatz von Information zuständig ist. In diesem Zusammenhang untersuchte sie auch den Einfluss von Social Media auf das Arbeitsgedächtnis und kam zu dem Schluss, dass einzelne Plattformen die Entwicklung eher fördern, andere wiederum hemmen. Während Facebook nach Meinung von Alloway das Arbeitsgedächtnis erweitert und infolge auch "die Intelligenz fördert", soll Twitter genau das Gegenteil bewirken.

Facebook habe deswegen einen positiven Einfluss, weil es das Gehirn bei der Nutzung durch eine höhere Komplexität stärker herausfordere. Twitter sei durch seine Knappheit schlechter, weil es "die Aufmerksamkeitsspanne reduziert und das Hirn nicht angeregt oder Nervenverbindungen gestärkt werden", behauptet Alloway. Ihre radikalen Thesen stoßen allerdings auf geringen Anklang. "Twitter ist eine Kommunikationsform wie jede andere. Es kommt immer auf den Kontext an, in dem ein Kommunikationsmittel eingesetzt wird, aber grundsätzlich ist der Dienst sicherlich positiv zu bewerten", sagt Medienpsychologe Jo Groebel, Direktor des Deutschen Digitalen Instituts, im pressetext-Interview. Besonders positiv daran sei eben gerade die vorgegebene Knappheit. "Ich sehe Twitter sogar als klugmachendes Medium, da man sozusagen den Zwang hat, sich präzise auszudrücken, was wiederum eine intellektuelle Übung ist."

Alloway übt außerdem Kritik an jeglichen Kommunikationsformen, die in irgendeiner Weise "unmittelbar" funktionieren - etwa auch YouTube oder das Schreiben von SMS. Positiv bewertet sie im Zuge ihrer Forschungen hingegen Videospiele und Sudoku, da diese Dinge eine tiefere Denkleistung mit sich bringen, Erinnerungen an vergangene Handlungen stärker wieder hervor holen und eher beim Planen von künftigen Aktionen nützlich sein würden. Durch all das werde wiederum das Arbeitsgedächtnis angeregt.

"Generell finde ich diese Aussagen viel zu pauschal und kann ihnen daher wenig abgewinnen. Es kommt schließlich immer darauf an, in welchem Zusammenhang die Kommunikationsmittel zum Einsatz kommen", kritisiert Groebel gegenüber pressetext. YouTube beispielsweise sei ein Pool enormer Kreativität, hier davon zu sprechen, dass es dumm mache, sei viel zu kurz gefasst. "Im Zweifelsfall würde ich also all diese Medien und Plattformen positiv bewerten. Twitter lebt vielleicht zunächst von gesellschaftlich informellen Informationen wie 'Ich koche einen Kaffee' und ist in erster Linie ein individuelles Medium, deswegen geht aber keineswegs die Berechtigung oder der Sinn der Plattform verloren", so der Medienpsychologe. 

Weitere Meinungen zu diesem Thema interessieren uns. Die Grundthese, dass die geringere Komplexität von Twitter weniger förderlich für das Gehirn sei, ist doch wohl eher ein schlechter Scherz. Entscheidend sind ja wohl die Inhalte, die man abruft und nicht der komplizierte Aufbau einer Website. 

 

Geben Sie einen Kommentar ab

Kommentare

  • früher hieß es doch, sei schlau, lern beim Bau. Welchen Reim könnte man denn heute formulieren?

    Posted by gsohn, 09/09/2009 9:25am (vor 12 Monat)

  • wahrscheinlich macht uns alles super schlau, wie man an dem Power-Blogger Gunnar unschwer erkennen kann:-)

    Posted by miliana, 08/09/2009 7:24pm (vor 12 Monat)

  • @gsohn Ist Twitters kollektives Wissen nicht dem eines Facebook überlegen? #jetztwirdsphilosophisch

    Posted by cubeedoo, 08/09/2009 4:31pm (vor 12 Monat)

  • @gsohn Ich nutze Twitter ausschließlich zur Informationsbeschaffung von Experten die zu meinen Fachthemen twittern! Super!

    Posted by bbweb, 08/09/2009 4:30pm (vor 12 Monat)

  • Dann müsste uns Google schon an den Rand des Schwachsinns gebracht haben, weil es so schön einfach ist. Dabei ist das Einfache ja die besondere Herausforderung, wenn es um Technologien geht.

    Posted by gsohn, 08/09/2009 4:23pm (vor 12 Monat)

RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare