Politik/Wahlforschung

Kritik von Demoskopen: Veröffentlichungsverbot von Wahlumfragen in Griechenland verletzt Freiheitsrechte

Von Silke Landwehr veröffentlicht am 11/08/2009 - 3 Kommentar(e)

Lincoln (USA), Allensbach - Die World Association for Public Opinion Research (WAPOR) ist über ein Gesetz der griechischen Regierung besorgt, das erneut die Veröffentlichung von Wahlumfragen 15 Tage vor dem Wahltermin verbietet. Die Entscheidung würden den fundamentalen demokratischen Prinzipien der Forschungs- und Informationsfreiheit widersprechen und schränke die Pressefreiheit ein. „Leider ist Griechenland kein Einzelfall", sagt Thomas Petersen, deutscher Kommunikationsforscher und Präsident der WAPOR. „In vielen, auch demokratischen Ländern beobachten wir eine zunehmende Tendenz, die Freiheit der Umfrageforschung einzuschränken und die Veröffentlichung ihrer Forschungsergebnisse unter staatliche Kontrolle zu stellen. Wahrscheinlich gibt es keinen anderen Bereich, in dem sich Journalisten die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Ergebnissen verbieten lassen. Es fehlt hier leider am Problembewusstsein. Besonders bedauerlich ist, dass sich die griechische Regierung den Gesprächsangeboten der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft verweigert hat." 

Wahlumfragen würden kaum Einfluss auf die Entscheidungen der Wähler haben. In einer freien Gesellschaft müssten die Wähler die Möglichkeit bekommen, sich aus unabhängiger Quelle über den Stand der politischen Meinungsbildung zu informieren. Aus gutem Grund käme auch niemand auf die Idee, vor einer Wahl jegliche politische Medienberichterstattung zu verbieten, obwohl sie einen Einfluss auf das Wahlverhalten habe. Das Verbot der Veröffentlichung von Wahlumfragen bedeute, die einzige solide Informationsquelle zu unterdrücken und das Feld gänzlich der Spekulation zu überlassen. Damit seien auch Manipulationsversuchen Tür und Tor geöffnet, weil unbegründete, gegebenenfalls interessengeleitete Behauptungen über den angeblichen Wahlausgang nicht durch wissenschaftlich fundierte Daten korrigiert werden können. Ein freies Land brauche eine freie Umfrageforschung. Die Unterdrückung von Forschungsergebnissen ist mit den Prinzipien einer Demokratie unvereinbar und damit unakzeptabel. Die WAPOR werde sich in Zukunft gemeinsam mit anderen sozialwissenschaftlichen Verbänden verstärkt dafür einsetzen, dass das Recht auf freie Forschung einschließlich des Rechts auf Veröffentlichung ihrer Ergebnisse mit größerem Nachdruck eingefordert wird. Es sei in einer Demokratie mit der Freiheit der Presse gleichrangig.

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Kommentare

  • Ich finde Umfrageverbote gut, wie in Frankreich z.B. Denn dann folgt man seinen wahren Interessen und eben nicht dem Gruppendruck des Stamtischs

    Erstellt von Philipp Rebmann, 28/12/2009 11:45am (vor 2 Jahre)

  • Es ist in der Tat problematisch, wenn in einer Demokratie Veröffentlichungen verhindert werden. In diesem Falle Umfrageergebnisse in Griechenland.
    Hier fragt man sich sofort, warum dies geschieht. Die öffentliche Erklärung, dass man die Menschen vorab nicht beeinflussen will, zieht nicht. So gesehen dürfte – in diesem Falle vor Wahlen – überhaupt kein Bericht und erst recht kein Kommentar mehr veröffentlicht werden. Letztendlich ist es so, dass jeder Mensch seine Informationen immer über Dritte erhalten wird, und natürlich fließt auch so gut wie immer subjektive Meinung mit ein. Aber gerade bei Wahlprognosen wird dies mit der repräsentativen Auswahl minimiert.
    Nein, in Griechenland ist es wohl in der Tat so, dass die Regierung selbst massiv beeinflussen will, ohne stördende Zahlen.
    Wenn Griechenland, wie Herr Dr. Petersen aus Allensbach und Präsident von WAPOR es beschreibt, kein Einzelfall ist, stimmt dies noch nachdenklicher und es ist somit sehr wichtig, dies auch öffentlich zu machen.

    Erstellt von Wolfgang Wenzl, 16/08/2009 9:45am (vor 3 Jahre)

  • prima Artikel!

    Erstellt von Helena, 14/08/2009 10:49pm (vor 3 Jahre)

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