Wissenschaft/Sport
Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 26/08/2009 - 2 Kommentar(e)
Bonn - Die WDR-Sendung Quarks & Co ist der Frage nachgeganen, ob Aerobic fürs Gehirn so einfach möglich ist. „Die Idee klingt verlockend: Knifflige Denksport-Aufgaben regelmäßig und mit steigendem Schwierigkeitsgrad am Computer üben - das stärkt die grauen Zellen, hält das Gehirn jung, oder macht es bei Älteren gar wieder jünger! Das versprechen seit einigen Jahren immer mehr kommerzielle ‚Gehirntrainings-Programme'. Das Konzept scheint vom Muskeltraining im Fitness-Studio vertraut: Systematisches, zeitlich überschaubares Üben in einer ‚künstlichen Umgebung' - und die Effekte kommen den Trainierenden rund um die Uhr im Alltag zugute: mehr Power, wo immer man sie braucht, mehr Schwung und Beweglichkeit und mehr ‚Jugendlichkeit'. Tatsächlich sind diese Effekte beim Körper- und Kreislauftraining wissenschaftlich seit langem belegt - auch für ältere Menschen", so Quarks & Co.
Dabei scheine es doch offensichtlich zu sein, dass kommerzielle Gehirntrainings-Programme Effekte haben: Schließlich zeige nach dem Training eine Statistik an, inwieweit man sich bei den einzelnen Übungen verbessert hat. Auch gefühlt kommen viele Nutzer nach einigem Training mit den Aufgaben besser, schneller und mit weniger Fehlern klar. Hier warnt Professor Henning Scheich, Direktor des Magdeburger Leibniz-Instituts, vor Simplifizierungen: „Man sollte sehr misstrauisch sein gegenüber den Weisheiten, die aus diesem Bereich kommen und zwar insbesondere wenn sie über die Macht der Bilder erzielt werden. Fast alle Medien würden zur Zeit Bilder der Kernspintomographie veröffentlichen. Da taucht ein Fleck im Gehirn auf, also muss das irgendwas bedeuten", so Scheich. Da gebe es sehr viel Rattenfängerei. Es sei einfach nicht richtig zu glauben, wenn die Birne aufleuchtet und die Aktivierung im Gehirn größer wird, ein besserer Zustand des Gehirns erreicht werde. Im Gegenteil: „Große Aktivierung im Gehirn bedeutet Unsicherheit des Gehirns. Wenn Sie Aufgaben untersuchen, wie sie gelöst werden, von unsicherem Status bis zum Profi, dann finden Sie eine negative Korrelation mit der Größe der Hirnaktivierung. Der Profi setzt eigentlich nur noch seine spezifischen Mechanismen für etwas ein", so der Hinweis von Scheich. Gehirnjogging mit riesiger Hinaktivierung nachzuweisen, sei Unfug. Die kleine Aktivierung, die beim scharfen Nachdenken von einem Profi produziert werde, das ist die eigentliche Aktivierung, die richtig ist. Siehe auch den NeueNachricht-Beitrag: Superlernen, die Rattenfänger der Neuroökonomie und warum Gehirnjogging Unfug ist: Wenn die Birne leuchtet, lernen wir nicht besser - Ein Profihirn zeigt wenig Aktivität.
Anders sieht es mit sportlichen Aktivitäten aus. „Es klingt paradox: Während man ganz ohne Kopfzerbrechen zügig durch den Park spaziert, bringt man gleichzeitig sein Gehirn auf Trab. Wer dieser Tage einen Gehirnforscher um Rat bittet, wird genau diesen Tipp bekommen: Lauf mal wieder! Das Faszinierende: Sportliches Training verbessert die kognitiven Leistungen wohl nicht nur durch eine bessere Durchblutung des Gehirns. Sport verbessert tatsächlich die Fähigkeiten, also ‚die Mechanik' des Gehirns, wie Neurowissenschaftler sagen", so Quarks & Co. „Es gibt Hinweise darauf, dass sich im Gehirn durch sportliche Aktivität mehr Verknüpfungen zwischen einzelnen Neuronen ausbilden, die eine erhöhte Leistungsfähigkeit des Gehirns zur Folge haben", sagte Professor Ursula Staudinger von der Jacobs-Universität gegenüber Quarks & Co., „und Tierversuche mit Mäusen zeigten, dass Laufen bei ihnen eine Neuentstehung von Neuronen bewirkt. Beim Menschen weiß man da noch eher wenig".
In einem Punkt seien sich Neurowissenschaftler inzwischen allerdings einig: Sportliche Aktivität scheint dabei zu helfen, einem frühzeitigen Abbau der Gehirnleistung im Alter entgegenzuwirken. „Ausdauertraining oder auch Koordinationssport lässt uns ein bisschen die Zeit zurückdrehen", kommentiert Staudinger den Stand der Forschung, „und lässt uns anknüpfen an die Leistungsfähigkeit, die wir früher einmal im Leben hatten. Aber das bedeutet nicht, dass ich nur durch intensivstes Training aus einem Herrn Müller den Herrn Einstein machen kann." Neue Ergebnisse aus den USA deuten zudem darauf hin, dass Sport auch bei Kindern die kognitive Leistung zu verbessern scheint.
Um die Gehirnaktivität zu fördern, sind allerdings keine sportlichen Höchstleistungen vonnöten. Professor Heiko Strüder von der Kölner Sporthochschule: „Sie müssen keineswegs einen Marathon absolvieren. Es reicht völlig aus, wenn man zwei- oder dreimal pro Woche einen zügigen Spaziergang absolviert. Das wirkt sich schon positiv auf die kognitive Leistungsfähigkeit aus."
Das Gehirn kann eben nicht als simpler Muskel betrachtet werden, wie es auf Abbildungen bei den einschlägigen Computerspielen geschieht. Auch die Altersangaben bei diesen Spielen ist doch Schwachsinn. Wenn ich die Aufgaben nicht kenne, bin ich 83 Jahre und nach ein paar Übungen bin dann 23 oder so ähnlich. Das sagt überhaupt nichts aus.
Erstellt von gsohn, 26/08/2009 10:29am (vor 3 Jahre)
Morgens zu Fuss ins Büro - dann geht die Arbeit direkt leichter :)
Ist ja eigentlich logisch, dass bei einem Profi das Gehirn weniger Aktivität zeigt - eben weil es viel besser "trainiert" ist. Aber die Verführung "einfach ein bisschen spielen als Jungbrunnen fürs Gehirn" war einfach zu gut...
Erstellt von carathotels, 26/08/2009 8:45am (vor 3 Jahre)
RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare