Medien/Internet/Technologie
Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 10/09/2010 - Keine Kommentare
Der Google-Chef und die mobile Computer-Intelligenz
Google-Chef Eric Schmidt ist davon überzeugt, dass wir eine Welt mit 100 Megabit mobiler Übertragungsgeschwindigkeit erleben werden. Also wesentlich schnellere Verbindungen als heute. Jeder Mensch wird ein Smartphone in der Tasche haben. „Wenn ich eine Straße hinuntergehe, können Passanten per Livestream Informationen von der Oper, dem Kino, dem Händler und den Schulen empfangen. An der Oper könnte das Telefon dann ein Stück der Oper vorspielen. Wenn der Nutzer die Oper hasst, bekommt er eine andere Einspielung. Das allwissende System trifft also Entscheidungen in Echtzeit und versorgt die Menschen mit Informationen", so Schmidt im Interview mit der FAZ.
In fünf bis zehn Jahren werde das Gerät wissen, was um den Nutzer herum passiert, und es wird Vorschläge machen, was für den Nutzer besonders wichtig sein kann. „Das Gerät wird also wissen, ob der Nutzer lieber Oper hört oder lieber den Film anschaut. Die nächste Stufe werden dann die Freunde sein. Das Gerät wird mir sagen, ob einer meiner Freunde auch gerade in Berlin ist und ob es ihn kontaktieren soll", erläutert der Google-Chef. Er spricht in diesem Zusammenhang auch von der Augmented Humanity, der erweiterten Menschheit. Die Menschen sollten das, was sie tun, noch besser machen. Sie sollten produktiver werden zum Beispiel. „Computer brauchen die Hilfe des Menschen, um besser zu werden, sie brauchen Training. Auf der anderen Seite sind wir Menschen mit unserer Intelligenz überfordert, wenn es etwa um die Bereitstellung eines perfekten Gedächtnisses geht. Da stoßen wir Menschen an Grenzen. Meine Idee ist, dass wir die Computer verbessern, die den Menschen helfen, und gleichzeitig Menschen besser darin werden, die Computer zu trainieren. Das Ziel muss sein, dass die Leute weniger Zeit verschwenden und mehr Spaß im Internet haben", sagt Schmidt.
Das kommt sehr nah an die Prognosen des Informatik-Professors Herman Maurer von der TU-Graz heran, die ich hier vor ein paar Jahren vorgestellt habe. „Lange vor dem Jahr 2100 werden alle Menschen jederzeit und an jedem Ort auf alles Wissen der Menschheit zugreifen können, ähnlich wie wir das heute bei materiellen Gütern können. Dieser Zugriff wird mit Geräten erfolgen, die stark mit den Menschen integriert sind, und wird sich auf Wissen beziehen das entweder aus Datenbanken kommt oder aus Dialogen mit Experten entsteht. Das Gehirn des Einzelmenschen wird nur noch ein vergleichsweise winziger Bestandteil eines gewaltigen Wissensvorrates sein, der durch die Vernetzung aus Milliarden von Menschenhirnen und Datenbanken entsteht", prognostiziert Maurer. Hier geht es zum kompletten Beitrag.
IFA-Nachlese: Was wird in Zukunft wichtiger sein, 3-D-Technologie oder die Verschmelzung von Web und Fernsehen?
Döpfners Klage über die Gratis-Kultur und was der Springer-Chef vom Götterboten Hermes lernen könnte
Wie von einem anderen Stern wirkte die Rede von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner beim „M100 Sanssouci Colloquium", dem jährlichen Treffen europäischer Medien-Bosse in Potsdam. Zu diesem Befund gelangt die taz. „Ein paar Stunden vor der Verleihung des M100-Preises an den dänischen Karikaturisten Kurt Westergaard durch Kanzlerin Merkel und Präsidentschaftskandidaten Gauck behauptete Döpfner allen Ernstes, die Pressefreiheit werde durch das Internet selbst bedroht, sozusagen durch eine schlechte Angewohnheit des Internets: die ‘Gratis-Kultur'. Die chaotische Struktur des Netzes greife die Pressefreiheit „von innen" an: „Die Tatsache, dass Informationen aller Art im Netz meist kostenlos erhältlich sind, werden als besonders gute Sache angesehen", so Döpfner. Die Verlagshäuser hätten alle zu diesem „großen Fehler" beigetragen. Es gebe eine „beinahe parareligiöse Heils-Ideologie": Die Open-Access-Bewegung habe eine digitale Welt propagiert, in der Freiheit nur herrschen könne, wenn jede Information für jedermann zu jeder Zeit kostenlos ist - Döpfner zitierte hier Jaron Laniers Worte vom „digitalen Maoismus". Aufmerksamkeit habe Geld als Währung ersetzt - doch Werbung reiche zur Finanzierung nicht aus. Döpfner: „Indem wir uns der Gratis-Kultur im Internet widersetzen, verteidigen wir unabhängigen Qualitätsjournalismus, verteidigen wir die Freiheit der Presse." Merkwürdig. Im vergangenen Jahr war der Medienmogul doch noch von der Unverwundbarkeit der Verlage überzeugt. Als Beruhigungsmittel verwies Döpfner noch auf das so genannte „Unverdrängbarkeitsgesetz" des ollen Wolfgang Riepl aus der Kaiserzeit (1913). Hier gibt es weitere Hinweise für Herrn Döpfner. Ich empfehle den Götterboten Hermes statt Riepl.
Wo wir schon bei den Medien sind. Noch eine Hiobsbotschaft für die klassischen Medien: Massenmedien beeinflussen immer weniger die öffentliche Meinung - das dürfte zu posttraumatischen Erlebniswelten führen.
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