Politik/Energie/Innovationen

Ich sag mal Blog: Reaktionäre Atomfreunde

Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 21/03/2011 - 3 Kommentar(e)

Es reicht mir. Man hört immer wieder dieselbe Leier von den Lobbyisten der Energiekonzerne und den Status quo-Denkern der verknöcherten Deutschland AG. Da musste ich heute in meiner The European-Kolumne mal Dampf ablassen: Die Romantiker des alten und überkommenen Industriekapitalismus zählen zur reaktionären Fraktion im Lande. Sie halten an einer Großtechnologie von vorgestern fest, um die liebgewonnenen Pfründe ihrer oligopolistischen Macht zu bewahren. Mit einer zentralistischen Energieversorgung lassen sich sattere Renditen einfahren. Wo käme man denn hin, wenn Städte und Kommunen auf dezentrale und hocheffiziente Konzepte setzen würden, sich abkoppeln von den Stromkonzernen und damit unabhängiger das Energiemanagement regeln. Das stinkt nach mehr Wettbewerb, schwächt die Möglichkeiten für politische Muskelspiele und verringert das Spielfeld für die Lobbyisten der zerbröselnden Deutschland AG. Wer von den Preisrisiken eines Atomausstiegs redet, sollte über das Abwälzen von Kosten und Risiken der Atomenergie auf die Steuerzahler nicht schweigen. Würde man die Gesamtkosten in den Strompreis einrechnen und die Milliarden Euros an Fördergeldern für AKWs raus rechnen - Ökonomen nennen das Internalisierung externer Effekte - müssten wir schon längst weitaus mehr für eine Kilowattstunde berappen. Die Atomenergie bindet gigantische Finanzmittel, personelle Ressourcen und konserviert unwirtschaftliche Großorganisationen der Energiewirtschaft. Wenn wir eine Energiewende erreichen wollen, brauchen wir allerdings mehr als nur Anti-Atom-Demos.

Wir benötigen Technikoptimismus, Hochleistungen der Ingenieure, Investitionen in moderne Infrastrukturen und Offenheit für neue Verfahren, Kraftwerke und Leitungen, auch wenn sie in der eigenen Nachbarschaft errichtet werden. Wer Nein zur Atomenergie sagt, darf nicht gleichzeitig technische Innovationen behindern, die als Kompensation unverzichtbar sind.

Retweets, Liken/Teilen, Kommentare unter: Innovationsbremse Atomstrom.

Siehe auch:
Intelligentes Netz für die Energiewende.

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Kommentare

  • Ich kann dir nur zustimmen. Einfach mal blind "Nein!" sagen kann jeder, aber offen sein für andere Technologien und bereit sein, dafür auch etwas leisten oder sogar ggf. etwas zahlen zu müssen.. das ist schon wieder eine ganz andere Sache!

    Erstellt von Beate, 15/11/2011 8:16am (vor 2 Jahre)

  • jo, wichtig. Da gibt es eine Menge Potenzial. Ohne höhere Investitionen wird es nicht gehen. Da brauchen wir dann wohl Wachstum. Und Optimismus braucht man immer - auch wenn man ein skeptischer Denker ist. Das eine schließt das andere nicht aus.

    Erstellt von gsohn, 21/03/2011 1:09pm (vor 2 Jahre)

  • Zustimmung. Und: mehr Energieeffizienz, bitte. Das bisherige Wachstumsmodell ist übrigens auch Teil des Problems und nicht der Lösung. Nachhaltig ist anders - weit mehr als Technikoptimismus.

    Erstellt von Axel, 21/03/2011 12:24pm (vor 2 Jahre)

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