Wirtschaft/Recht/Internet
Von Matthias Schmitz veröffentlicht am 20/10/2009 - 3 Kommentar(e)
Mit den traditionellen PR-Tools könne man gegen dieses Web-Gewitter nichts mehr ausrichten, schreiben Charlene Li und Josh Bernoff in ihrem Buch „Facebook, Youtube, Xing & Co". Die seien jetzt ungefähr so nützlich wie ein Schwert gegen einen Hagel vergifteter Pfeile. Unternehmen hätten es mit einem Trend zu tun, den die Autoren den „Groundswell" nennen: einer spontanen Bewegung von Menschen, die Onlinetools benutzen, um sich miteinander zu verbinden, ihre Erfahrungen selbst in die Hand nehmen und eine machtvolle Gegenöffentlichkeit schaffen. „Der Groundswell ist breit, er verändert sich ständig und wächst unaufhörlich", so Li und Bernoff. Bevor Firmen irgendetwas in die Wege leiten, sollten sie via Brand-Monitoring dem vielstimmigen Chor im Social Web zuhören und Fehler so schnell wie möglich offen und ehrlich revidieren. Die Tatzenmacher praktizierten genau das Gegenteil. Der beanstandete Abmahnungs-Betrag werde, so die Rechtfertigung der offiziellen Stellungnahme des Unternehmens, lediglich zur Deckung der Anwaltskosten eingesetzt: „Wenn verhältnismäßig kleine Unternehmer abgemahnt werden, wird darauf geachtet, die Kosten möglichst gering zu halten. Normalerweise berechnen sich die Kosten eines Abmahnschreibens nach dem zugrunde liegenden Gegenstandswert, der anhand der verletzten Marke bestimmt wird. Dieser wurde in den vorliegenden Fällen so gering wie möglich angesetzt. Die sich daraus ergebenen Kosten in Höhe von 991 Euro sind für einen Kleinunternehmer noch immer verhältnismäßig hoch, jedoch ist dieser für die Entstehung der Kosten verantwortlich, da er markenverletzende Ware verkauft hat und Jack Wolfskin dadurch zur Verteidigung der Marke gezwungen war", so die lapidare Rechtfertigung.
Selbst mit relativ geringen Abmahnbeträgen können Anwaltskanzleien mit wenig Aufwand ein lukratives Geschäft aufziehen. Die Abmahner seien eine scheinheilige Bande, kritisiert der Fernsehjournalist Günter Ederer. Das Gesetz gegen den so genannten unlauteren Wettbewerb sei eher ein Gesetz gegen Wettbewerb. Dabei störe es die Abmahner nicht im Geringsten, dass es die Nationalsozialisten waren, die ihnen die juristische Grundlage für ihr Handeln schafften. Die Alliierten setzten deshalb 1945 diese jeglicher freier Wirtschaftsordnung wiedersprechenden Regelungen sofort außer Kraft. Aber selbst Wirtschaftsminister Ludwig Erhard konnte nicht verhindern, dass der Deutsche Bundestag schon 1953 das Folterwerkzeug gegen die Gewerbefreiheit wieder in Kraft setzte.
Die Wut gegen Jack Wolfskin entzündet sich nun vor allem bei den Digital Natives, die besonders gerne Outdoor-Klamotten tragen. „Völlig unabhängig davon, ob Jack Wolfskin nun im Recht ist oder nicht hat der Hersteller mit dieser Aktion das erzielt, was jegliche Kunden-Loyalität ins Nichts auflöst: Seine Konsumenten fühlen sich verletzt und hintergangen. Bevor also rechtliche Schritte überhaupt erst in Erwägung gezogen werden, müssen Marken den Dialog suchen. Sicherlich hätte Jack Wolfskin die Verkäufer einfach freundlich darauf hinweisen können, dass die Tatze ihrem Logo ähnelt und sie mit der Verwendung nicht einverstanden sind", so der Rat des Themenblogs. Zu spät.
Siehe auch:
Wie Manfred Hell, Leitwolf von Jack Wolfskin, die Geschäftswelt vor dem Abmahn-Gau sah.
Janus Wolfshaut oder Jack Wolfskin?
Abmahnungen in der Tatzenwelt.
Google-Suchergebnisse zum Abmahngau.
Anbieter von gebastelten Kissen, Stickern und Co werden zur Kasse gebeten.
Ja, genau. Mit diesen Negativschlagzeilen hat sich Jack Wolfskin hoffentlich selbst die Krallen ins Fleisch gerammt. So ein lächerlicher Blödsinn!
Eigentlich ist es keiner weiteren Worte mehr wert. Nur leider müssen ein paar Menschen die Langeweile einiger Anwälte teuer bezahlen. Zum Glück hat sich eine große Solidarität gebildet.
Und die Tatze wird sich niemals in meinem Haus finden - nur an den Beinen meiner Katze (die ich hoffentlich nicht amputieren muss!)
Erstellt von Anke Eppers, 21/10/2009 9:17am (vor 3 Jahre)
und sogar sehr preiswert.
Erstellt von gsohn, 20/10/2009 5:32pm (vor 3 Jahre)
Es gibt Gott-sei-Dank genügend Alternativen, um Outdoorklamotten zu kaufen.
Erstellt von AH, 20/10/2009 5:32pm (vor 3 Jahre)
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