Wirtschaft/Unternehmen/Innovationen
Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 15/04/2011 - Keine Kommentare

Düsseldorf - Umstrukturierung, Neuorganisation oder die Fokussierung auf Kernkompetenzen gehören zum täglichen Management-Geblubber wie die semantischen Speerspitzen Effizienz, Effektivität und das Prozessmanagement von Ideen, Innovationen und Kreativität - alles natürlich auf Basis der neuesten Solutions, Tools und Implementierungen. Manager wollen zu jeder Zeit kreativ, innovativ und effizient an ihrer Effektivität arbeiten. Das geht am besten mit ganzheitlichen Strategien, um den Kunden wieder stärker zu fokussieren und kostenoptimal den Return on Investment zu erarbeiten.
Statt der hier aufgezählten Bullshit-Hitparade könnte man auch die Aussage „Kuchen" aus der äußerst witzigen Sparkassen-Werbung setzen und wäre am Schluss genauso schlau wie vorher, berichtet der Düsseldorfer Fachdienst MarketingIT. „Das ganze Gerede um Prozesse, Optimierung, Kollaboration, Effizienz und Effektivität ist brotlose Kunst. Faktisch sind es immer charismatische und ein wenig verrückte Unternehmerpersönlichkeiten, die Neues durchsetzen und sich vom Routinebetrieb abgrenzen. Wer nur das anwendet, was man gelernt hat und sich an den übergekommenen Grundlagen seiner Organisation orientiert, ist ein passiver Anpasser und kein kreativer Zerstörer, wie ihn Joseph Schumpeter beschrieben hat", so der ITK-Fachmann Peter B. Záboji, Chairman des Dienstleisters Bitronic. Routine, Prozesse und Regeln brauche man für die Herstellung von Produkten, für Wartung und Reparatur oder für die Buchhaltung - für disruptive Innovationen, Ideen und Erfindungen benötigt man Regelbrecher. „Dazu kommen noch eine Portion Zufall und eine feine Nase für Veränderungen", meint Záboji.
Egal, ob man den Regelbruch in Organisationen kultiviert oder nicht, wäre es nach Ansicht des IT-Personalexperten Udo Nadolski schon ein großer Fortschritt, wenn sich Manager von ihrer Rationalitätsgläubigkeit verabschieden und stärker mit dem Unerwarteten kalkulieren würden. „Wer gesellschaftliche und wirtschaftliche Phänomene nur in Aggregatzuständen wahrnimmt und berechnet, vernachlässigt die Wirkung von Innovationsrevolutionen. Technologien und Geschäftsmethoden können über Nacht wertlos werden. Etablierte Branchen gehen unter und neue entstehen. Der Routineunternehmer gehört zu den ersten Opfern", resümiert Nadolski.
Unternehmen sollten sich von den scheiternden Innovationsritualen verabschieden, rät der IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck. „Wir starten Wettbewerbe, Verbesserungsvorschlagspreise, versuchen uns in eiligen Meetings an Brainstorming-Aktionen, für die bei machen Unternehmen tapfer viele Minuten eines kostbaren Tages investiert werden, an dem man sich eigentlich nur die Zahlen der Vergangenheit ansehen will", betont Dueck. (siehe auch: Prozesse, Innovationen und leere Worte).
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