Wirtschaft/Unternehmen/Netz/Kommunikation
Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 12/12/2012 - Keine Kommentare
Bonn/Berlin - Je komplizierter, desto besser – das scheint das Motto vieler Unternehmen zu sein, wenn diese mit ihren Kunden kommunizieren. Unternehmen sollten sich in der Kundenkommunikation wie Verleger oder Herausgeber verhalten: Online-Geschichten über die eigenen Produkte, die genau auf die Entscheider für den direkten und indirekten Vertrieb zugeschnitten sind. Was funktioniert, ist die Konzentration auf die Kunden und deren Probleme; was scheitert, ist die egozentrische Zurschaustellung der Produkte und Dienstleistungen. Wer die Möglichkeiten des Social Web anwendet, konzentriert sich nicht auf die falschen Ziele wie etwa Sammlungen von Zeitungsausschnitten, Reichweiten-Mumpitz, Klickraten-Angeberei oder die Produktion von Hochglanzbroschüren.
Man sollte sich stattdessen an der neuen Aufmerksamkeitslogik orientieren, die unseren digitalen Alltag immer mehr bestimmt. Nachzulesen im neuen Buch von Mercedes Bunz: „Die stille Revolution“ (erschienen in der edition unseld). Klassische Medien berichten über Neuigkeiten, die sich auf das Ereignis ausrichten. Was nicht in diese Kategorie passt, wird nicht aufgegriffen. Die digitale Öffentlichkeit ist vor allem von den Interessen der Nutzer getrieben:
„Noch lange nachdem die Karawane der professionellen Journalisten weitergezogen ist, spüren Social-Web-Nutzer den Themen nach, die sie bewegen“, zitiert Bunz den „Guardian“-Chefredakteur Alan Rusbridger. Nachrichten könnten, wie guter Wein, durch Lagerung an Wert gewinnen. Da darf natürlich auch der viel zitierte Satz einer Studentin nicht fehlen: „Wenn eine Nachricht wichtig für mich ist, wird sie mich schon finden.“
Und wann sie für mich wichtig ist, entscheide ich selbst und nicht die „Tagesschau“, irgendein Pressesprecher oder Marketingfuzzi. Es entsteht also eine virale Logik, die eine ganz eigene Dynamik entfaltet. „Dieser viralen Kommunikation liegt letztlich die Möglichkeit zugrunde, Inhalte immer wieder zu reproduzieren. Nur etwas, das neu arrangiert und wiederverwendet, also wiederholt oder nachgeahmt werden kann, besitzt das Potenzial, viral zu werden“, führt Bunz in ihrem neuen Opus aus.
Um diese Aufmerksamkeitslogik zu nutzen, sollten die liebwertesten Gichtlinge in den Kommunikationsabteilungen der Unternehmen endlich aufhören, ständig in der gleichen Buchstabensuppe zu schwimmen und die Öffentlichkeit mit ihren Laber-Ritualen zu nerven. Ausführlich in meiner heutigen The European-Kolumne nachzulesen. Titel: Laberrhabarber und Buchstabensuppe.
Dazu auch wichtig: Vom Nutzen der asynchronen Kommunikation. Und natürlich: Findepunkte setzen - finden lassen, statt mit Werbung zu nerven!
Die drei Aspekte virale Netzeffekte, asynchrone Kommunikation und Findepunkte möchte ich in nächster Zeit vertiefen. Würde dazu gerne wieder ein paar Experteninterviews per Telefon oder Hangout On Air führen. Oder als Bibliotheksgespräch in meinem Büro in Bonn. Wer Interesse daran hat, sollte sich bei mir melden. Entweder hier einen Kommentar hinterlassen oder mir eine Mail schicken: gunnareriksohn@gmail.com
Und am Schluß noch eine Empfehlung: Liebwerteste Gichtlinge in der zweiten The European-Printausgabe: Foltermethode Kundendienst.
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