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ddp: Kampfansage an dpa-Subventionen - Nach AP-Übernahme weitere Investitionen geplant

Von Wilfried Seywald veröffentlicht am 09/12/2009 - 1 Kommentar(e)

Berlin, pte - Nach der Übernahme des deutschen Ablegers der amerikanischen Presseagentur AP wollen die beiden streitbaren Privatinvestoren Peter Löw und Martin Vorderwülbecke den Nachrichtenagenturmarkt in Deutschland neu aufmischen. Geplant sind weitere Investitionen im Multimedia-Bereich und eine Ausweitung der Mediendienste, den "illegalen Kostenvorteilen" durch staatliche Subventionen bei dpa und AFP wird der Kampf angesagt. Mittelfristig werde auch die bisherige Satellitenverbreitung via Mecom durch Direktanbindungen an die Redaktionen ersetzt, hieß es auf einer Pressekonferenz der ddp Media Holding AG in Berlin.

AP wird künftig als "ddp international" geführt und vorläufig eine eigene Gesellschaft bleiben, die Geschäftsführung übernehmen die bisherigen ddp-Chefs Martin Vorderwülbecke und Franz Maurer, beide Agenturteile werden jeweils ihre Chefredakteure behalten. Der eigens aus New York eingeflogene Senior Vice President von AP, Thomas R. Brettingen, bestritt "Rückzugsgefechte" der Associated Press, räumte aber ein, dass die internationale Medienkrise und die Herausforderungen der Online-Welt zu einer Re-Focussierung der Nachrichtenagentur geführt habe. Dass die Agentur 1999 nicht von Frankfurt nach Berlin übersiedelt sei, "war sicher kein Fehler".

Langfristiges Engagement

ddp und AP Deutschland bringen einen Umsatz von 29 Millionen Euro auf die Waage, damit sei ddp nunmehr klar die zweite große Nachrichtenagentur mit einem Voll-Programm. Auf die Frage, ob der bisher noch nicht vorhandene Sport ein Thema werde, antwortete Löw, man dürfe von vielen Dingen träumen, man werde sich bemühen, vorhandene Lücken zu schließen. Auf welchem Wege, das muss noch geklärt werden. Vorwürfen, die ddp solle bloß für einen zukünftigen Wiederverkauf behübscht werden, traten beide ddp-Chefs energisch entgegen. Die ddp sei ein langfristiges Engagement, und für Finanzinvestoren uninteressant. "Wir haben die ddp privat erworben, das ist ein Privatinvestment."

Der AP streute Vorderwülbecke Rosen: ein gesundes Unternehmen, sehr solide aufgebaut, mit hohem journalistischen Niveau. Zur Frage, wie es die ddp mit den unterschiedlichen Tarifverträgen der Journalisten halten werde, sagte Vorderwülbecke, "wir gehen damit offen um. Wir respektieren die AP-Strukturen." Gehaltserhöhungen für ddp-Mitarbeiter seien punktuell möglich, auch eine leichte Anhebung ist denkbar. Es müsse aber klar sein, dass nur das verteilt werden kann, was auch erwirtschaftet wird. Der ddp-Vorstand betonte, derzeit würden die Gewinne in die Nachrichtenagentur reinvestiert.

Zu den Synergien der beiden Nachrichtenagenturen befragt sagten die ddp-Investoren, es würden überproportionale Effekte erwartet, auch gewisse Zusatzumsätze und zusätzliche Marktanteile - die Konzepte seien aber noch nicht ausgereift. Zusätzliche Mitarbeiter im Kerngeschäft sind derzeit nicht geplant, einige Stellen in der Administration werden wohl wegfallen, von 10-15 Mitarbeitern war die Rede. Besonders hervorgehoben wurde der exklusive Zugriff der ddp auf alle internationalen AP-Dienste und Archive. Das Broadcasting-Geschäft in Deutschland wird die AP selbst weiterführen, bestätigte Vorderwülbecke, in diesem Segement und im Multimediabereich seien eigene Investitionen geplant. Die bisherige Kooperation mit der französischen AFP wird im Mai 2010 auslaufen.

Löw betonte die Stärken der neuen ddp als Preis- und Innovationsführer, gerade in einer Zeit sinkender Werbeerträge, Jobabbau und Kostendruck im Mediensektor. "ddp-Nachrichten kommen bei den Lesern besser an", sagte er nach der Präsentation eines umfangreichen Stärken-Schwächen-Vergleichs zwischen dpa und ddp. Heiterkeit löste ein Chart aus, auf dem die dramatisch gesunkene Profitabilität des Marktführers, Deutsche Presse-Agentur (dpa), der deutlich gestiegenen Ertragsstärke der ddp in den vergangenen Jahren gegenüber gestellt wurde. Mit den Investitionen der letzten Monate in die Technik, in ein neues Redaktions- und Datenzentrum sowie in neue Büroräumlichkeiten "sind wir die modernste Nachrichtenagentur im europäischen Raum", erklärte Löw den zahlreich erschienenen Journalisten.

Kampf den staatlichen Subventionen

Mit einem Zitat von Willy Brandt eröffnete Löw die Pressekonferenz: "Es ist an uns, die Pressefreiheit gegen jeden Angriff mit aller Entschlossenheit zu verteidigen." Mit demselben Zitat erteilte Löw auch allen missbräuchlichen staatlichen Subventionsvergaben an die dpa und Gewerkschaftsambitionen diese noch zu unterstützen, eine klare Absage. "Dagegen werden wir vorgehen." Erste Gutachten gibt es bereits. 

 

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Kommentare

  • Immer mehr Kunden wechseln von dpa zur ddp-Nachrichtenagentur, wobei ja nun auch AP-Deutschland dazugehört.
    Dies auch von ddp/AP wesentlich günstiger als von der dpa.
    Die ddp konnte in kurzer Zeit neue Kunden langjährig hinzugewinnen während die die dpa massiv Kunden verlor.
    Dies jedenfalls ist so in den Medien lesbar und sicherlich auch Fakt.
    Wirtschaftskrisen und Einsparungen verleihen der ddp/AP-Deutschland starke Konkurrenz zur DPA.
    Viele Kunden verzichten deshalb auf die teure dpa und wechseln lieber zu ddp/AP.
    Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.

    Erstellt von kai, 05/01/2010 5:40pm (vor 3 Jahre)

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