Wirtschaft/Managemant/Serviceökonomie

Das Vermächtnis des Meisterdenkers Peter Drucker: Wandel zur Serviceökonomie vorantreiben

Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 20/11/2009 - Keine Kommentare

 

Bonn/Frankfurt am Main - Am 19. November wäre der vor vier Jahren verstorbene Managementdenker Peter Drucker 100 Jahre alt geworden. Der gebürtige Österreicher habe schon frühzeitig auf die Relevanz des Wissensarbeiters und der Wissensgesellschaft hingewiesen, so der After Sales-Experte Peter Weilmuenster, Vorstandschef von Bitronic in Frankfurt (siehe auch das NeueNachricht-Interview mit Weilmuenster). Das sei das wichtigste Vermächtnis des Universalgelehrten. Es müsse daher Konzepte für „klügeres Arbeiten" geben. In der Güterproduktion sei das nur einer von vielen Schlüsseln zu höherer Produktivität. Für die Wissens- und Servicearbeit allerdings der einzige. Als positives Beispiel nennt Drucker Wartungsunternehmen. Systematisch wenden diese Unternehmen Methoden an, um die Produktivität ihrer Beschäftigten zu steigern. „Sie legen die Tätigkeit fest, konzentrieren alle Arbeitsschritte darauf, bestimmen Leistungsmaßstäbe, machen Mitarbeiter zu Partnern und zur ersten Quelle von Ideen zur Produktivitätssteigerung und sorgen für ständiges Lernen", so Drucker.

Es sei also kein Zufall, dass diese Verbesserungen von externen Vertragsnehmern erreicht werden. Bei produktionsnahen Servicearbeiten benötige man Fremdfirmen, die ausschließlich diese Leistungen erbringen und die Aufgabe verstehen. „Man könnte auch von einer Neuorganisation der Wertschöpfung sprechen, die sich immer stärker abzeichnet. Unternehmen nutzen spezialisierte Dienstleister, um die knappen Ressourcen des Managements auf die eigenen Kernkompetenzen zu konzentrieren, auf Produktinnovationen, Vertrieb, Forschung und dem Aufbau von Wissensvorsprüngen gegenüber der Konkurrenz. Insgesamt haben wir noch einiges zu leisten, um in allen Branchen eine hocheffiziente Dienstleistungswirtschaft nach den Prinzipien von Peter Drucker zu werden", resümiert Weilmuenster in einem Beitrag seines Serviceblogs. Ein Kenner des Werkes von Peter Drucker, Professor Hermann Simon, hält den Weg von der Industrie- zur Servicegesellschaft für essentiell. „Es ist illusorisch zu glauben, dass alle von der produzierenden Industrie massenweise Freigesetzten wieder industrielle Arbeitsplätze finden", meint Simon, Autor des Buches Think- Strategische Unternehmensführung statt Kurzfrist-Denke. Er untermauert seine Aussage mit einer Beispielrechnung, die auf drastische Weise die Realität in industriellen Sektor illustriert und die Sinnlosigkeit von Rettungsmaßnahmen des Staates für Industriekonzerne belegt: „In der Automobilindustrie steuern die produktivsten Unternehmen auf eine Produktion von 100 Autos pro Fabrikarbeiter zu. Wir produzieren in Deutschland mehr als fünf Millionen Autos. Für deren Produktionen brauchen wir in Zukunft also lediglich 50.000 Leute. Der bevorstehende radikale Wandel ist für uns genauso schwer vorstellbar, wie es die heutige Welt für einen Angehörigen der agrarischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wäre", führt Simon aus. Die Dienstleistungsintensität sei in den USA sehr viel größer. Dort würden bereits 80 Prozent in Dienstleistungsberufen arbeiten, in Deutschland seien es erst knapp 70 Prozent. 

In Amerika handele es sich dabei keinesfalls um äußerst schlechte bezahlte „McJobs". „Man kann von den Amerikanern lernen, völlig neue Märkte zu erschließen. Als Beispiel sei hier der Bürodienstleister Kinko's genannt, der rund um die Uhr geöffnete Büroshops betreibt. Die Idee entstand in einer Universitätsstadt daraus, dass Studenten ihre Examensarbeiten meist auf die letzte Minute fertig stellen. Sie müssen die Arbeiten dann während der Nacht kopieren und binden, um sie am anderen Morgen fristgemäß abliefern zu können. In diese Dienstleistungslücke ist Kinko's hineingestoßen", so Simon. Die Firma sei heute überall in den USA vertreten und werde nicht nur von Studenten, sondern auch von Freiberuflern, Gewerbetreibenden, Heimarbeitern und Privaten intensiv in Anspruch genommen. Deutsche Dienstleistungsunternehmen sollten keine Scheu haben, die Strategien der Amerikaner zu studieren und gegebenenfalls zu kopieren, empfiehlt der Bonner Managementexperte Simon.

Siehe auch:

Hochschulen verschmähen deutschen Management-Guru.

Peter Drucker: Zaungast der Zeit.

Peter Drucker, Visionär im Dienst der Gesellschaft.

Mann von morgen.

 

 

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