Telekommunikation/Mobilfunk/Internet/Apple
Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 04/02/2010 - 1 Kommentar(e)
Düsseldorf/Barcelona - Die Handybranche leidet immer noch an den posttraumatischen Folgen des iPhone-Schocks. Nun droht auch den Netzbetreibern zumindest Schüttelfrost durch die von Apple-Chef Steve Jobs entfesselte App-Economy. „Der Erfolg des iPhones von Apple und der damit verbundenen Bezahlinhalte zeigen eindrucksvoll das ökonomische Potenzial, aber auch die Zerstörungskraft dieser Entwicklung", sagte Roman Friedrich, Telekommunikationsexperte des Beratungshauses Booz & Company, in Düsseldorf. Traditionell skizziert sein Unternehmen die wichtigsten Trends des TK-Marktes im Vorfeld des Mobile World-Kongresses in Barcelona.

„Ich habe als Berater der TK-Branche noch nie zuvor dramatischere Veränderungen erlebt. Was sich in den vergangenen 13 Jahren abgespielt hat war relativ stabil und homogen. Was jetzt gerade passiert, ist eine komplette Neuordnung der TK-Welt und der Wertschöpfungsketten", so Friedrich. Apple habe mit dem iPhone in den vergangenen zwei bis drei Jahren einen völlig neuen Markt kreiert. Allein in den USA sei dadurch der Datenverkehr um den Faktor zehn angestiegen. „Mit dem iPhone und möglicherweise mit dem iPad hat Apple eine umsatzträchtige Schnittstelle zum Kunden und verdient sowohl über die Hardware, als auch über Inhalte", erklärte Friedrich. Entsprechend würden die Umsatzanteile der Netzbetreiber schrumpfen, da sie mit den klassischen Sprach- und Datendiensten nicht mehr punkten können. Die Musik spielt bei Software, Services, Inhalte und beim betreiberunabhängigen Handel. Auch beim Wettkampf um die mobile Kunden-Schnittstelle seien die Netzbetreiber deutlich zurückgeworfen worden. In der Frühphase des mobilen Webs vor drei Jahren lag der Anteil der TK-Konzerne in Großbritannien noch bei 57 Prozent. Ein Jahr später schrumpfte er auf 22 Prozent.
„Gleichzeitig zwingt die rasant steigende Nachfrage nach Datenapplikationen zu ständigen Investitionen beim Netzwerkausbau. Das drückt weiter auf die Marge. Schließlich erfordern sowohl feste als auch mobile Netze permanente Bandbreitenerweiterungen", sagte der TK-Experte von Booz. Hier werde das Dilemma der Netzbetreiber besonders deutlich: Während die Umsätze bei stetigem Investitionsbedarf sind, fahren marktfremde Player wie Apple die Gewinne ein. „Die klassische TK-Branche gerät immer stärker in eine prekäre Situation. Wenn sie nicht weiter angestammtes Terrain verlieren will, muss sie jetzt konsequent in Innovationen, Inhalte und neue Geschäftsmodelle investieren", so das Fazit von Friedrich. Die Agenda für Netzbetreiber sei klar. Sie müssten an der App-Welle partizipieren. Die Zahl der App-Downloads werde weltweit in den nächsten fünf Jahren von 1,4 Milliarden auf rund 19 Milliarden steigen. Dieses Volumen bringe den Anbietern einen App-Umsatz von 17 Milliarden Euro ein. Zudem sollten Netzbetreiber über die Vermarktung eigener mobiler Werbeformen nachdenken und ihre Aktivitäten im Videogeschäft ausbauen. Notwendig seien zudem konvergente Betreibermodelle, eine radikale Kostenreduzieren und die Entwicklung zum „Smart Innovator".
Die Aufzeichnung des Booz-Pressegespräches habe ich auf meinem Blog gepostet!
Sehr geehrter Herr Friedrich, hallo Gunnar,
die App-Economy ist endlich und wird genau wie bei der Historie der PC-Desktop-Tools schneller durch browserbasierte Anwendungen abgelöst werden als viele Experten das gerade glauben. Investitionen in reine App-Prozesse können daher kostspielig werden für große Unternehmen. Itunes wird allerdings weiter profitabel bleiben in der Zukunft, weil es eben nicht nur für Apps sondern auch für Medien, wie Filme und Musik einfach und gut funktioniert. Something to think about...
Die großen Umwälzungen sind allein technikgetrieben durch bessere Breitbandnetze, größere Displays, leistungsfähigere Geräte...
MFG
Björn Behrendt
Posted by Björn Behrendt (Service-Community.de), 09/02/2010 1:09pm (vor 1 Monat)
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