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Wissenschaft/Wirtschaft/Künstliche Intelligenz

Amazing Race: Intelligenzwettstreit zwischen Mensch und Maschine

Von Gunnar Sohn veröffentlicht am 12/10/2009 - 1 Kommentar(e)

 

München/Frankfurt am Main - Gesprächsroboter, auch Chatbots genannt, sind immer noch nicht in der Lage, auf hohem Niveau mit menschlichen Gesprächspartnern zu plaudern. Sie geraten bei schnellen unvorhersehbaren Themenwechseln ins Straucheln und lassen sich in eine passive Rolle drängen. Forscher für Künstliche Intelligenz (KI) rüsten allerdings auf: „Mehr als eine Million Antworten hat mancher Computer schon parat. Die Maschinen analysieren Sätze nach ihrem grammatikalischen Aufbau, suchen nach Schlüsselwörtern und Wortmustern. Für Wissenschaftler ist dies ein Testfeld, um der Frage nachzugehen, nach welchen Regeln Sprache funktioniert und ob sie sich mathematisch beschreiben lässt. Schließlich nutzt auch der Mensch nie das gesamte Potenzial der Sprache und wiederholt oft nur Sätze, die er selbst schon oft gehört hat", schreibt der KI-Experte Oliver Klemper in einem Beitrag für die Stuttgarter Zeitung.

Smarte Chatbots würden sich zudem merken, ob ihr Gesprächspartner ein Thema schon einmal behandelt hat, und verweisen darauf zurück, oder sie stellen Verbindungen zu neuen Themenkomplexen her. „Sie geben sich beleidigt oder erfreut, die besten haben sogar eine eigene Persönlichkeit mit Lebenslauf", so Klemper. Ob man das schon als Intelligenz definieren kann, ist unter Experten umstritten. Ironischerweise wirken Chatbots umso menschlicher, je unsinniger die Reaktionen ausfallen: „Alberne Antworten ohne Bezug zur Frage und gelegentlich ein Tippfehler - das macht offenbar einen menschlichen Eindruck", bemerkt Klemper. Den ersten Chatbot, Eliza, hatte in den 1960er Jahren der Computerpionier Joseph Weizenbaum am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Die Maschine simulierte eine Unterhaltung zwischen Psychiater und Patient. Das erfolgreiche Programm konnte damals punkten, weil es Fragen mit Gegenfragen beantwortete. Eine nicht unübliche Praxis von Therapeuten.

„Mittlerweile drängen sprachgesteuerte Chatbots auch in den Alltag, ohne sich dabei jedoch deutlich als solche erkennen zu geben. Marktforschungsinstitute lassen Umfragen vom Computer durchführen, Energieversorger nehmen Zählerstände und Versandhändler Bestellungen mit PC-Hilfe entgegen", weiß Klemper. Zur Zeit leiden Sprachcomputer noch am schlechten Image der telefonischen Dienste. „Hier sind Call Center und Sprachautomaten gleichermaßen in der Schusslinie, weil jeder Verbraucher über negative Erlebnisse berichten kann. Vielerorts bleiben Anbieter unter den technischen Möglichkeiten. Es gibt schon Maschinen, die selbständig sprechen lernen, über Sinn für Syntax verfügen, Grundkenntnisse von Semantik besitzen und sich selbst Begriffe aneignen. Es dauert nicht mehr lange, dann stecken solche Systeme in jedem Handy und Haushaltsgerät", prognostiziert Peter Weilmuenster vom ITK-Dienstleister Bitronic in Frankfurt am Main.

Die Kaffeemaschine der Zukunft könnte fragen, ob sie einen Cappuccino oder einen Espresso brühen soll. „Es wird möglich sein, das Fernsehprogramm über Sprachbefehle zu steuern, und im Auto kann der Fahrer auf Zuruf die Lautstärke des Radios regeln oder die Heizung anschalten", führt der Journalist Klemper aus. Wozu Maschinen schon jetzt in der Lage sind, soll ein Amazing Race am 11. November 2009 in München auf dem Fachkongress Conversations DACH unter Beweis stellen. In einem Mensch-gegen-Maschine-Wettkampf tritt Martina Wichers, Deutsche Meisterin im Schnellschreiben, gegen das Spracherkennungssystem Dragon Naturally Speaking von Nuance an. Bei der Veranstaltung wird darüber hinaus über Spracherkennung als Bürokratiekiller im öffentlichen Dienst, Roboter im Ruhestand, automatisierte Dokumentation im Gesundheitswesen und Erfolgsrezepte für klugen Kundenservice diskutiert.

 

 

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Kommentare

  • Das Thema ChatBot wird leider nach wie vor noch sehr unterschätzt, das sind unsere Erfahrungen als Entwickler von ChatBots. Sicher gibt es noch viele Schwächen bei den virtuellen Beratern, wobei das Hauptproblem darin besteht herauszufinden was der Mensch von der Maschine will - also den Sinn eines Wortes oder gar eines ganzen Satzes zu verstehen und entsprechend zu Antworten. Erschwert wird das Ganze noch durch falsche Rechtschreibung, Abkürzungen von Worten oder die Verwendung von Worten deren Bedeutung die Schreiber selbst nicht kennen wie z.B. "omg" oder "rofl". Auch das Erkennen ob User eine Frage stellen oder eine Antwort geben ist nicht durch Satzzeichen auszumachen, da diese in aller Regel beim Chatten weggelassen werden. Nicht zu vergessen auch die vielen Sätze und Wortgruppen die an sich keinen Inhalt und keine Bedeutung haben, deren Sinn sich nur aus dem Verlauf des Gesprächs ergibt, wie z.B. "und hast du oder nicht".

    Von echter Künstlicher Intelligenz sind wir damit also noch Meilenweit entfernt!

    Trotz allem hat sich in den letzten 10 Jahren mit dem Boom des World Wide Web herausgestellt, dass ChatBot trotz ihrer Schwächen weit mehr für uns tun können, als man immer noch annimmt. Hierfür gibt es bereits beeindruckende Studien und auch wir werden fast täglich von unserem eigenen ChatBot verblüfft und müssen häufig feststellen, dass auch wir das Potenzial unserer eigenen Entwicklung Gestern noch gar nicht voll erkannt haben.

    Nicht umsonst gibt es Konzerne die bereits in der Vergangenheit weit über 1/4 Million USD in ChatBots investiert haben, denn auch wenn ChatBots hier und da mit den virtuellen Schultern zucken müssen, können sie inzwischen etwas, was kein Mensch vermag: Sie können an Ort und Stelle relevante Fragen beantworten und zwar 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr auch an Sonn- und Feiertagen. Dadurch können Anfragen per Email und Telefon reduziert werden, was wiederum Zeit- und Kosten spart. Nicht zu vergessen dass sehr häufig auftauchende Fragen gar nicht erst per Email gestellt werden, sei es aus Bequemlichkeit, oder weil der nächste Anbieter nur einen Mausklick entfernt ist, oder aus der Erfahrung "die Antworten mir sicher erst in einer Woche oder sogar nie".

    An dieser Stelle haben ChatBot also das Potenzial aus Interessenten echte Kunden zu machen und die virtuellen Helferlein können noch viel mehr: Sie sind eine noch recht unbekannte Spezies wodurch ein viraler Marketing-Effekt entsteht (Hey schau mal auf die Seite was ich da entdeckt habe), sie betreiben Marktforschung für den Anwender in eigener Sache - praktisch kostenlos erhält man aus Gesprächen der User mit dem ChatBot jede Menge Informationen über seine Zielgruppe, deren Verhalten, Wünsche und Sorgen. Ein weiterer wichtiger Effekt der ChatBots ist, dass sie erheblich dazu beitragen können die eigene Webseite zu optimieren und Benutzerfreundlich zu machen, ein einfaches und häufiges Beispiel: Der Kunde fragt den ChatBot nach Kontakt-Daten, woraus sehr deutlich wird, dass diese offensichtlich nicht deutlich genug auf der Webseite dargestellt werden.

    Es liegt also auf der Hand, dass man aufhören muss sich auf die Schwächen von ChatBots zu konzentrieren, sondern deren Vorteile erkennen muss - Umdenken ist angesagt. Dazu kann ich Jedem noch das Buch "ChatBots in der Kundenkommunikation" empfehlen, darin beschreibt der Autor Alexander Braun sehr gut die Potenziale solcher Programme. Das Buch ist in meinen Augen "das Kompendium" in Sachen ChatBots und wird von Wissenschaftlern aus der Szene als Pflichtlektüre für Marketing-Verantwortliche bezeichnet.

    Posted by Rocco Pollmer, 21/12/2009 8:48am (vor 9 Monat)

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